Johannes Müller

Kreditstandards werden verschärft

von Carsten Müller

Finanzkommunikation und Finanzierung

Stand 14.04.2021

Verschärfte Kreditstandards machen die Finanzierung in mittelständischen Firmen komplizierter

Die Corona-Pandemie hat in der Unternehmenslandschaft und der Wirtschaft im Allgemeinen bereits deutliche Spuren hinterlassen. Wie tief die Einschnitte letztendlich ausfallen, ist dabei noch immer nicht seriös zu prognostizieren. Bei vielen Unternehmen herrscht eine große Unsicherheit darüber, wie sich die eigene Wirtschafts- und Finanzkraft in der Zukunft darstellt. Die Finanzierung von Unternehmen und deren Aktivitäten rückt dadurch noch stärker in den Fokus.

Diese Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung wird jetzt womöglich noch weiter verstärkt. Denn auch die Banken und Sparkassen reagieren nunmehr auf diese Unsicherheit und verschärfen ihre Sicherheitsstandards bei der Vergabe von Unternehmenskrediten. Das heißt im Klartext: Da Banken und Sparkassen jetzt vorsichtiger agieren, wird es für Firmen schwerer, einen Kredit für die Finanzierung von Geschäftsvorhaben, Projekten und Investitionen zu erhalten.

 

Die Auswirkungen der Corona-Krise steigern die Unsicherheit

Die aktuellen Zahlen bestätigen die Zurückhaltung der Banken und Sparkassen bei der Vergabe von Krediten aufgrund von verschärften Kreditstandards. Laut der jüngsten Umfrage der Europäischen Zentralbank im Rahmen des Bank Lending Survey (kurz: BLS) zum Kreditgeschäft, haben bereits Ende 2020 rund 25 Prozent von 143 befragten Banken - darunter 34 deutsche Banken - eine Verschärfung der Kreditrichtlinien vorgenommen. Das sind über sechs Prozent mehr als noch im September des vergangenen Jahres. Da lag diese Quote noch bei 18,6 Prozent.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen im Hinblick auf die Corona-Krise und den damit einhergehenden unsicheren und bislang noch mangelnden Öffnungsperspektiven ist davon auszugehen, dass es im ersten Quartal 2021 zu einer weiteren Verschärfung der Kreditstandards kommt. Aufschluss darüber wird letztendlich die kommende EZB-Umfrage bringen. Diese Umfrage wird traditionell im vierteljährlichen Modus durchgeführt.

Finanzierung durch Kredite: Die verschärften Vergabekriterien treffen vor allem den Mittelstand

Es sind im Kern aber nicht die großen, global agierenden Unternehmen und Konzerne, die von der Verschärfung der Kreditstandards direkt betroffen sind. Zwar hatte im Schlussquartal 2020 auch etwa ein Fünftel der Großunternehmen Probleme bei der Finanzierung durch Bankkredite, aber gerade im Mittelstand zeigten sich die Folgen der verschärften Kreditstandards großflächiger und deutlicher. Das belegen auch die aktuellen Zahlen der KfW-ifo-Kredithürde für den Mittelstand.

Im vierten Quartal stieg diese zum sechsten Mal in Folge und liegt jetzt bei 22,1 Prozent. Im Vergleich zum dritten Quartal 2020 bedeutet dies allerdings einen vergleichsweise geringfügigen Anstieg um 0,4 Prozentpunkte. Aber auch in Anbetracht des nur sehr leichten Anstiegs wissen wir aus unserer Beraterpraxis, dass bestimmte Branchen besonders betroffen sind. Bestätigt wird diese Wahrnehmung durch die weiteren Ergebnisse der KfW-ifo-Kredithürde für den Mittelstand.

Besonders betroffen sind die mittelständischen Dienstleister

Demnach werden gerade die mittelständischen Dienstleistungsunternehmen sehr stark durch die erschwerten Vergabebedingungen bei der Finanzierung durch Kredite eingegrenzt. 25,9 Prozent der Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche gaben an, dass sie mit einem restriktiven Verhalten seitens der Banken und Sparkassen bei entsprechenden Kreditanfragen konfrontiert wurden.

Das sind immerhin 12,5 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Auch der mittelständische Einzel- und Großhandel sowie das Bauhauptgewerbe hatte mitunter Probleme an Kredite zu kommen. Demgegenüber spürte das verarbeitende Gewerbe die verschärften Kreditbedingungen kaum. Die KfW-ifo-Kredithürde sieht hier im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar leichte Entspannungstendenzen. Vergleichsweise geringe 16 Prozent der Firmen trafen hier auf skeptische Kreditinstitute. Dies macht deutlich: Beim Zugang zu Krediten spiegelt sich die asymmetrische Betroffenheit der jeweiligen Wirtschaftsbereiche durch die Corona-Krise in branchenspezifischen Unterschieden wider.

Die Verschärfung der Kreditstandards war vorhersehbar

Unabhängig von Zahlen und Zahlenspielen stellen die verschärften Kreditstandards je nach Unternehmenssituation und -konstellation durchaus große Hürden beim Thema Finanzierung dar. Klar ist auch, dass Unternehmen, die einen Kredit benötigen, natürlich nicht sehr erfreut sind über die erschwerte Kreditaufnahme. Dass die Kreditinstitute Unternehmen und deren Situation im Hinblick auf die Vergabe von Krediten sorgfältiger durchleuchten und härtere Vergabekriterien ansetzen, lag aber auf der Hand.

Denn die von Banken und Sparkassen nach oben korrigierten Kreditvergabekriterien sind als Reaktion auf die im Zuge der Corona-Pandemie gewachsenen kreditnehmerseitigen Risiken und Unsicherheiten zu verstehen. Im Grunde genommen konnten sie gar nicht anders reagieren. Schließlich sind Banken und Sparkassen dazu verpflichtet, eine klare Risikovorsorge zu generieren. Angesichtes der bisherigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Unternehmenslandschaft und die diesbezügliche Wirtschaftskraft ist es nur logisch, dass strauchelnde Unternehmen durch das Raster fallen und entsprechende Kreditanfragen bezüglich einer Finanzierung im Zweifelsfall abgelehnt werden.
 

Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben - die Folgen der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht

Hinzu kommt, dass es wahrscheinlich noch in diesem Jahr zu der schon lange befürchteten Pleitewelle von ungeahntem Ausmaß kommen wird. Ende April läuft die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für Unternehmen, die zur Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen aus der Covid-19-Pandemie staatliche Finanzhilfen erhalten, aus.

Dieser staatliche Eingriff in das bestehende Insolvenzrecht hat zwar kurzfristig die Statistik beschönigt, aber jetzt könnte es hier den großen Knall geben. Es ist ein durchaus realistisches Szenario, dass diese Aussetzung des Insolvenzrechts die tatsächlichen Auswirkungen des Lockdowns nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben haben. Und dass dies in eben einer Pleitewelle mündet, daraufhin verdichten sich die Hinweise.
 

Corona entlarvt nicht mehr tragfähige Geschäftsmodelle und Zombie-Unternehmen

Allerdings muss hier festgehalten werden, dass die Corona-Pandemie nicht alleine Schuld daran ist, dass Unternehmen in schwieriges Fahrwasser geraten sind. Vielmehr wirkt die Pandemie als eine Art Katalysator, der Versäumnisse der Vergangenheit und nicht mehr tragfähige Unternehmen bzw. Geschäftsmodelle offenlegt. Bereits vor Ausbruch der Corona-Krise taumelten einige Unternehmen und sogar ganze Branchen von Krisenszenario zu Krisenszenario.

Ein Blick auf den Restrukturierungsmarkt reicht und die Defizite in diesem Bereich werden offensichtlich. Gerade der Einzelhandel sowie die Automobil- und Zulieferindustrie galten bereits vor Corona als krisenanfällige Branchen. Die dortigen Probleme haben also nur bedingt etwas mit der Corona-Thematik zu tun, wenngleich die Pandemie die Probleme natürlich noch vergrößert hat. Es ist anzunehmen, dass es explizit in diesen Branchen in absehbarer Zeit zu einer Marktbereinigung kommt.
 

Trotz Corona-Krise ist die Kreditnachfrage der mittelständischen Firmen deutlich gesunken

In diesem Zusammenhang taucht allerdings ein Phänomen auf, das bisher vernachlässigt behandelt wurde. Laut der KfW-ifo-Kredithürde vom Januar 2021 ist gleichzeitig auch die Kreditnachfrage der Unternehmen deutlich gesunken. Und das trotz der vielfältigen Beschränkungen des wirtschaftlichen Lebens und damit einhergehender Umsatzeinbußen in mitunter massiver Höhe.

So reduzierte sich der Anteil der mittelständischen Unternehmen, die Interesse an einer Finanzierung durch Banken oder Sparkassen hatten und entsprechende Kreditverhandlungen aufnahmen, im vierten Quartal 2020 um etwa acht Prozentpunkte auf insgesamt 22,1 Prozent. Die Kreditnachfrage von Großunternehmen und Konzernen brach sogar um elf Prozent ein. Seit dem Start der Befragungen im Jahr 2017 sind das mit Abstand die niedrigsten Werte.
 

Dies sind die Gründe für die Zurückhaltung bei der Kreditnachfrage

Ein wesentlicher Grund für diese Zurückhaltung hinsichtlich einer beantragten Finanzierung durch Kreditinstitute liegt darin, dass die Unternehmen weniger für Investitionen ausgeben. Das Statistische Bundesamt beziffert den Rückgang (vorläufig) mit 6,6 Prozent. Zudem drücken auch die Finanzhilfen für Unternehmen zur Liquiditätslückenbegrenzung die Nachfrage nach Krediten.

Diese Zurückhaltung bei der Kreditaufnahme sagt aber noch etwas anderes aus: Die Unternehmen und die jeweiligen Geschäftsleitungen bzw. -führungen schätzen die eigene Situation sehr realistisch ein und möchten keine weiteren Verschuldungslasten anhäufen. Denn die an sich schon schwierige Kompensation von Umsatzverlusten, die bei anhaltender Krise immer komplexer werden, zehrt schon genug am finanziellen Korsett der Unternehmen. Zusätzliche Kosten bzw. Belastungen für eine Finanzierung durch Kreditaufnahme sind da nur schwer seriös zu tragen.
 

Die Finanzierung optimieren mit einem unabhängigen Finanzierungspartner

Ganz gleich aus welcher Perspektive die Finanzierung bzw. die Unternehmensfinanzierung betrachtet wird: Unternehmerischer Erfolg basiert immer auf einer professionell strukturierten Finanzierung. Ebenso wie Eigenkapital wird auch Fremdkapital in Form einer Finanzierung durch Kredite weiterhin unabdingbar bleiben, um Wachstum zu generieren und die eigene Krisenresistenz zu verbessern.

Daran ändert auch die Corona-Krise nichts. Als unabhängige Wirtschaftsberatung mit umfassendem Know-how und langjähriger Expertise bieten wir unseren Mandanten eine individuelle und kompetente Beratung zu allen Fragen rundum die Finanzierung. Ob die detaillierte Analyse der Finanz- und Finanzierungsstruktur, die Entwicklung und die Umsetzung von Optimierungsmaßnahmen sowie die Gestaltung und Begleitung in Finanzierungsverhandlungen - wir unterstützen Unternehmen strategisch und operativ bei der Ausrichtung der Finanzierung des Unternehmens respektive von Vorhaben, Projekten, Akquisitionen und neuen Geschäftsmodellen.

Auch wenn die durch die Corona-Krise entstandene Situation und nicht zuletzt auch die verschärften Kreditstandards seitens der Banken und Sparkassen sicherlich extrem belastend wirken, so bietet diese Phase dennoch aber sehr gute Chancen, die jetzigen Geschäftsmodelle, Organisationsstrukturen und Finanzierungskonzepte in zukunftsträchtige Strukturen zu transformieren. Genau dafür sind wir der richtige Kompetenzpartner.

 

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