Michael Wandt

Volle Auftragsbücher, leere Konten – warum der Mittelstand jetzt vorausplanen muss

von Johannes Müller

Finanzkommunikation und Finanzierung

Die aktuellen Daten der Creditreform lassen wenig Raum für Optimismus: Deutschland verzeichnete 2025 einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 8,8 Prozent. In Westeuropa insgesamt wurde das höchste Niveau seit über zwei Jahrzehnten erreicht. Strukturelle Ursachen – Energiekosten, Bürokratie, schwacher Welthandel – überlagern die konjunkturellen Schwankungen.

Was dabei leicht übersehen wird: Viele der betroffenen Unternehmen waren nicht schlecht aufgestellt. Sie hatten Aufträge, Kunden, eine funktionierende Mannschaft. Was fehlte, war der rechtzeitige Blick auf das, was die nächsten Monate wirklich bedeuten – in konkreten Zahlen.

 

Das Muster, das wir immer wieder sehen

In der Beratung begegnet uns ein Bild, das sich wiederholt: Ein Inhaber kennt sein Geschäft in- und auswendig. Kunden, Maschinen, Prozesse – alles vertraut. Aber die Frage, wie die Liquidität in 13 oder 18 Wochen konkret aussieht, bleibt oft unbeantwortet.

Nicht aus Nachlässigkeit. Sondern weil es schlicht niemand systematisch durchgerechnet hat.

Was wir in der Beratungspraxis regelmäßig erleben: Unternehmen, die solide aufgestellt sind – gewachsene Strukturen, treue Kunden, volle Auftragsbücher. Die Ausgangslage scheint gut. Erst eine strukturierte Liquiditätsplanung – Zahlungseingänge, -ausgänge, Steuerlast, Bürgschaften, geplante Investitionen, drei Szenarien über 18 Monate – macht sichtbar, was bis dahin im Verborgenen lag. Eine kritische Engstelle. In zehn, zwölf, vierzehn Wochen.

Zehn Wochen sind keine Katastrophe: Zehn Wochen sind Handlungsspielraum.

Was frühe Planung konkret ermöglicht

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Qualität des Unternehmens, sondern im Zeitpunkt des Wissens. Wer eine kritische Liquiditätsphase 13 Wochen im Voraus identifiziert, kann Gespräche mit der Bank vorbereiten, Zahlungsziele neu verhandeln oder Investitionen gezielt verschieben. Wer dieselbe Situation erst zwei Wochen vorher erkennt, hat in der Regel keine dieser Optionen mehr.

Integrierte Liquiditätsplanung ist keine Komplexitätsübung. Sie bedeutet: alle relevanten Größen auf einen gemeinsamen Zeitstrahl bringen, realistische Szenarien durchrechnen, und das Ergebnis so aufbereiten, dass Entscheidungen möglich werden – nicht erst, wenn der Druck da ist.

Was jetzt zu tun ist

Angesichts der aktuellen Marktlage empfehlen wir jedem Inhaber, drei Fragen heute zu beantworten:

  • Wie sieht meine Liquidität in 10, 16 und 26 Wochen in einem pessimistischen Szenario aus?
  • Welche größeren Zahlungen – Steuern, Tilgungen, Investitionen – kommen in den nächsten 18 Monaten auf mich zu?
  • Ab wann brauche ich Handlungsspielraum, um noch wirklich handeln zu können?

Wer diese Fragen heute nicht mit Zahlen beantworten kann, verlässt sich auf das Bauchgefühl. Das kann lange gut gehen. Im Jahr 2026 ist das Risiko, dass es nicht gut geht, deutlich gestiegen.

 

Hier geht es zu dem vollständigen Artikel der Creditreform


 

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